OST

Klimakonferenz 2021

Datum: Dienstag, 15. Juni 2021, 14:00 bis 18:00 Uhr, online

Die Klimakonferenz rückt Gebäude und Areale in den Fokus. Welchen Beitrag kann Baukultur zu mehr Klimaschutz leisten? Wie kann Energieneutralität aussehen? Wie gehen wir mit dem Bestand um?

Klimakonferenz und Klimaspuren in Rapperswil, © Madlaina Janett

Key-Messages

33 Klimatipps an die Architektur
Andres Herzog, Co-Geschäftsleiter Hochparterre

  • Irrtum 1:  So wenig Energie wie möglich.
  • Irrtum 2:  Klimagerecht bauen ist teuer.
  • Irrtum 3:  Klimagerecht bauen geht überall.
  • Irrtum 4:  Dauerhaft heisst per se klimagerecht.
  • Irrtum 5:  Klimagerecht bedeutet, wenig heizen.
  • Irrtum 6:  So viel dämmen wie möglich.
  • Irrtum 7:  Holz löst alle Probleme.
  • Irrtum 8:  Lehm ist immer besser als Beton.
  • Irrtum 9:  Es ist egal, womit ich betoniere.
  • Irrtum 10:  Recyclingbeton wäscht die Weste rein.
  • Irrtum 11:  Label garantieren wenig CO2.
  • Irrtum 12:  Kompakt ist automatisch klimagerecht.

 

Wie sieht ein energieneutrales Areal aus?
Carsten Wemhöner, Professor für Gebäudetechnik, OST
 

  • Bei Energieneutralität ist die angewendete Systemgrenze zu beachten.
  • Aus einer Machbarkeitsstudie eines Areals in Rapperswil-Jona konnte folgende Schlussfolgerungen gezogen werden:

    • Bei Arealen mit Heiz- und Kühlbedarf ist eine regenerative Versorgung mit Wärmepumpe effizienter und kostengünstiger als eine fossile Energieversorgung.
    • Bei günstigen Wärmequellen sind energieneutrale Areale mit Wärmepumpe zu erreichen.
    • Bei günstigen Randbedingungen hinsichtlich Einspeisung und Eigenverbrauch sind energieneutrale Areale mit grossen PV-Anlagen auch wirtschaftlich umsetzbar.

 

CO2-Fussabdruck von Baustoffen, Bauteilen und Bauwerken
Susanne Kytzia, Leiterin Institut für Bau und Umwelt, OST

  • Der CO2-Fussabdruck wird immer wichtiger, weil

    • Das Optimierungspotenzial im Betrieb des CH-Bauwerksgross ist.
    • Das CH-Bauwerk immer noch deutlich wächst.

  • Der CO2-Fussabdruck kann vor allem vermindert werden durch eine starke Erhöhung der Materialeffizienz.

    • Durch optimierte Planung und Projektierung.
    • Durch Verlängerung der Lebensdauer von Bauwerken.
    • Durch Realisierung nicht-baulicher Lösungen(Suffizienz).

 

Zirkuläre Architektur. Beispiele aus der Praxis
Sebastian El Khouli, Partner / Mitglied der Geschäftsleitung, Bob Gysin Partner BGP Architekten

  • Die zentrale Fragestellung beim Klimaschutz ist das Thema der Verteilungsgerechtigkeit – dabei geht es aber nicht mehr nur um die gerechte Verteilung von Wohlstand und Besitz, sondern der Verteilkampf um Ressourcen und das damit zusammenhängende Thema der Generationengerechtigkeit rückt immer mehr in den Fokus.
  • Nachhaltigkeit und ein dauerhaft exponentielles Wachstum schliessen sich wechselseitig aus – mehr technische Effizienz ist keine zielführende Strategie. Solange das Wirtschafts- und Kulturmodell expansiv ist, so lange wird auch mehr Technikeinsatz zu weiterer Expansion führen.
  • Wir müssen lernen, zurück zu gehen und unseren erreichten Lebensstil zum „Ornament“ und damit zu einer überflüssig werdenden Entwicklungsstufe zu machen – es geht nicht um Modifikationen, sondern um einen Paradigmenwechsel.
  • Um diesen Weg erfolgreich gehen zu können, brauchen wir aber nicht nur eine neue Methodik, sondern auch eine andere Ästhet(h)ik, die moralisch und sozial eingebettet ist – roh ist fertig; sichtbar machen statt verkleiden; multifunktional statt monokausal; in Kreisläufen denken statt End-of-pipe-Technologie.

Die Klimakonferenz findet im Rahmen von Klimaspuren statt.